Veranstaltungsreihe „Grenzen der Gewalt“

Veranstaltungsreihe „Grenzen der Gewalt“ von medico international, Bayerischer Flüchtlingsrat, Bellevue di Monaco, Seebrücke München von März bis Mai 2026

 

 

16.03.2026 Wider die Entmenschlichung an der polnisch-belarussischen Grenze

Gesprächsrundreise von Aktivist:innen des Szpila-Kollektivs aus Polen inklusive Filmvorführung „Forest“

Montag, 16.03.2026, Beginn: 20:00 Uhr, Monopol Kino, Schleißheimer Str. 127, 80797 München

Eintritt: € 9,50
Tickets: im Kino und online

Die Gesprächsrundreise findet In München, Tübingen,  Mannheim, Frankfurt, Hannover und Berlin statt.

Europa schottet sich vor Geflüchteten ab. Und mit ihm Polen. Fast 200 Kilometer lang und mehr als fünf Meter hoch ist die Mauer, die die polnische Regierung in den letzten Jahren an der Grenze zu Belarus errichtet hat, gespickt mit Stacheldraht, überwacht von tausenden Soldaten und Grenzbeamten. Sie soll Geflüchtete davon abhalten nach Europa zu kommen. Diejenigen, die es dennoch schaffen, werden zurückgewiesen, durch den Wald gejagt, geschlagen. Einen Asylantrag können nicht mehr stellen, seitdem die sogenannte Bürgerkoalition unter Ministerpräsident Donald Tusk im März 2025 das Recht auf Asyl suspendiert hat. Ein offener Verstoß gegen Europarecht, der von der EU jedoch nicht kritisiert wird. Trotz alledem gibt es im Grenzgebiet nach wie vor Menschen, die Solidarität zeigen und Geflüchteten bei ihrer gefährlichen Reise beistehen. Durch Anklagen und Repression versucht der polnische Staat diese Unterstützung zu brechen. Um über die Situation vor Ort zu sprechen laden wir als medico international unsere Kooperations-Partnerinnen nach Deutschland ein: zwei Aktivistinnen des Szpila-Kollektivs. Sie unterstützen Menschen, die von staatlicher Repression betroffen sind, weil sie Geflüchteten im polnisch-belarussischen Grenzgebiet geholfen haben.

Zu Beginn wird der Dokumentarfilm „Forest“ gezeigt. Dieser begleitet Asia, Marek und ihre drei Kinder, die in ihrem eigenen Paradies leben: Ihr Haus liegt mitten in den letzten Urwäldern Europas, fast an den Außengrenzen der EU. Bei den täglichen Streifzügen durch den Wald finden sie eines Tages nicht nur atemberaubende Aufnahmen von Bisons, Elchen und Dachsen auf ihren Wildkameras. Stattdessen bewegen sich hungrige, unterkühlte und oft kranke Menschen durch das Dickicht – auf der Flucht in die EU. Die polnische Familie entscheidet zu helfen und zerbricht fast an den Schicksalen, die sich direkt vor ihrer Haustür abspielen.
Forest, Polen 2024, Regisseur: Lidia Duda; Originalsprache: Polnisch, mit deutschen Untertiteln; Länge: 85 min.

 

15.04.2026: Gemeinsam gegen Grenzgewalt

Buchvorstellung und Lesung mit Dr. Judith Kohlenberger

Mittwoch, 15.04.2026, Beginn: 19:00 Uhr, Fat Cat im alten Gasteig, Kleiner Konzertsaal, Rosenheimer Straße 5, 81667 München

Judith Kohlenberger berichtet in ihrem neuen Buch „Grenzen der Gewalt“ von den Grenzen Europas. Mit Fakten und erschütternden Berichten deckt sie auf, wie die Gewalt an den Grenzen nicht nur Schutzsuchende betrifft, sondern längst bis ins Innere unserer Gesellschaften hineinreicht. In ihren Interviews mit Grenzpolizisten, Flüchtlingshelfer:innen, Anwält:innen, Patholog:innen und Grundwehrdienern wird deutlich, wie die mittelbare Erfahrung von tätlicher und bürokratischer Gewalt auch uns verändert. Dieses Buch wirft einen schonungslosen Blick auf die Auswirkungen der Grenzpolitik auf unser Zusammenleben im Inneren. Ein dringender Appell für mehr Demokratie und Menschlichkeit.

Judith Kohlenberger ist Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin. Seit Herbst 2015 arbeitet sie zu Flucht, Asyl und Zugehörigkeit, u.a. an der WU Wien, dem Österreichischen Institut für Internationale Politik (oiip) und dem Jacques-Delors-Centre der Hertie School in Berlin. Sie ist Mitglied des Integrationsrats der Stadt Wien und lebt in Wien.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos.

 

TERMIN VERSCHOBEN AUF DO, 30.04.2026: Asyl im System Europa

Diese Veranstaltung musste wegen Krankheit leider auf Donnerstag, den 30. April um 19 Uhr verschoben werden.

Vortrag und Diskussion mit Prof. Maximilian Pichl

Freitag, 06.03.2026, Beginn: 19:00 Uhr, Bellevue di Monaco, Müllerstraße 2-6, 80469 München

Im Jahr 2026 tritt die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems in Kraft. Die Verschärfungen werden nicht nur die Situation an den Außengrenzen der EU betreffen, sondern auch große Auswirkungen auf das deutsche Asylsystem haben: die Aufnahmestandards von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen sind in Gefahr, mehr Inhaftierungen von Schutzsuchenden drohen, genauso wie neue Lagersysteme, um Abschiebungen schneller durchzuführen. Der Vortrag stellt diese Entwicklungen vor und diskutiert Handlungsoptionen einer menschenrechtsorientierten Flüchtlingspolitik.

Prof. Maximilian Pichl ist Politik- und Rechtswissenschaftler. Er ist seit 2025 Professor für Recht der Sozialen Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos.

28.5.26 Sizilien als Baustein der europäischen Abschottungspolitik

Vortrag und Diskussion mit Sophia Adolph

Donnerstag, 28.05.2026 Beginn: 19:00 Uhr, Bellevue di Monaco, Müllerstraße 2-6, 80469 München

In Palermo beobachtet borderline-europe die Migrationsroute über das zentrale Mittelmeer, stellt sich der Kriminalisierung von Menschen auf der Flucht und der Seenotrettung entgegen, und sensibilisiert für die Situation von Migrant*innen und Geflüchteten, die in Italien ankommen. Im Herbst 2024 hat borderline-europe ein Monitoring-Projekt zur Umsetzung der Reformen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Sizilien gestartet. In diesem Projekt wird die Situation von Menschen beobachtet, die in geschlossenen Grenzzentren, Hotspots und CPRs (Abschiebezentren) in Italien (insbesondere in Sizilien) sowie in den italienischen Zentren in Albanien inhaftiert sind.

borderleine-europe ist eine in Berlin und Palermo ansässige NGO, die seit 2007 zivilen Widerstand gegen die europäische Migrations- und Grenzpolitik leistet. Wir machen auf Menschenrechtsverletzungen und rassistische Grenzstrukturen aufmerksam.

Sophia Adolph ist Vertreterin des Büros von borderline-europe in Palermo.